Ärztlicher Direktor
Fachklinikum Brandis
Dr. med. Dipl.-Psych.
Th. Müller-Holthusen
Am Wald
04821 Brandis
Tel.: 034292 / 84-0
Fax: 034292 / 84-700
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Akuter Tinnitus - eine interdisziplinäre Herausforderung
Zum 4. Mal trafen sich Experten aus ganz Deutschland im Fachklinikum Brandis, um sich über die neuesten Erkenntnisse zu Ursachen und Behandlung von Tinnitus auszutauschen. „Akuter Tinnitus - eine interdisziplinäre Herausforderung“ war dabei nicht nur der Titel, sondern auch das Resümee der Veranstaltung.
Die Zahlen sprechen für sich: 1,5 Millionen Deutsche haben einen behandlungsbedürftigen Tinnitus erlebt, 13 Prozent über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Patienten leiden nicht nur körperlich unter den ständigen Ohrgeräuschen, sondern auch psychisch ganz erheblich. „Um so schlimmer, dass in den Medien die Behandlungschancen oft sehr negativ dargestellt werden“, kritisierte Prof. Andreas Dietz in seinem Vortrag. „Viel zu oft liest man: Da kann man nichts gegen machen.“ Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig unterstrich, dass akuter Tinnitus oder auch ein akuter Hörsturz zwar kein Notfall, aber doch ein Eilfall seien, der schnellstmöglich behandelt werden muss. Dabei sollten sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie das Ausmaß, die Begleitsymptome, etwaige Vorschäden und der subjektive Leidensdruck individuell berücksichtigt werden. Eine interdisziplinäre Vorgehensweise ist daher die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.
Dass auch psychische Faktoren einen erheblichen Anteil an der Erkrankung haben können, gilt als gesichert. Doch oftmals wird diese Erkenntnis bei der Therapie kaum berücksichtigt. Hier werden Chancen vergeben wie der Vortrag von Roberto D’Amelio von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums in Homburg demonstrierte. Der Diplom-Psychologe stellte die Ergebnisse einer Pilotstudie vor, bei der die Wirksamkeit einer kombiniert medizinisch-psychologischen Therapie untersucht wurde. Dabei zeigte sich, dass Patienten die zusätzlich zu medizinischen Therapien wie der Infusionstherapie eine psychologische Intervention erhielten, bereits nach 8 bis 10 Tagen bzw. 4 psychologischen Sitzungen deutlich weniger Beschwerden hatten.
Somit lässt sich bereits im Stadium des akuten Tinnitus durch ein kombiniert medizinisch-psychologisches Vorgehen die psychische Belastung deutlich senken und dadurch möglicherweise auch eine Dekompensation im chronischen Stadium verhindern. Diese Erfahrungen konnten die Ärzte im Fachklinikum Brandis nur bestätigen. Ein Schwerpunkt der Einrichtung liegt im Bereich der Psychosomatik, die neben den explizit ausgewiesenen Indikationen bei vielen Erkrankungen, u.a. auch bei Tinnitus eine große Rolle spielt.
TINNITUS AUS SICHT ...
... des Internisten, Orthopäden und des Neurologen
Beim Tinnitus ist in der Regel das krankheitswertig veränderte Resultat, das Ohrgeräusch, bekannt, nicht jedoch dessen konkrete Ursache; z. B. können Durchblutungsstörungen auf allen genannten Verarbeitungsstufen eine Rolle für das Entstehen von Ohrgeräuschen spielen. Für die Therapie bedeutet das, dass zusätzlich zur sorgfältigen HNO-ärztlichen, internistischen, orthopädischen und kieferorthopädischen Abklärung auch die psychosomatische Komponente zu berücksichtigen ist. Es ist daher aus unserer Sicht zwingend notwendig, die Tinnitus-Therapie so zu gestalten, dass der Komplexität und multifaktoriellen Genese des Krankheitsgeschehens entsprochen wird; die breite Facharztkompetenz sowie die vielfältigen therapeutischen Möglichkeiten stellen dies im Fachklinikum Brandis sicher.
... der Inneren Medizin
Wie bereits erwähnt, können Durchblutungsstörungen auf allen genannten Verarbeitungsstufen eine Rolle für das Entstehen von Tinnitus spielen. Durchblutungsstörungen können durch Stoffwechselstörungen und andere internistische Grunderkrankungen, wie z. B. arterieller Hypertonus, ausgelöst werden.
Im Fachklinikum Brandis kann neben ergänzenden diagnostischen Maßnahmen fachkompetent therapeutisch auf entsprechende internistische Krankheitsbilder Einfluss genommen werden. Hierzu gehören neben gesundheitserzieherischen Maßnahmen auch ernährungstherapeutische und medikamentöse Behandlungsansätze. So kann zeitnah ganzheitlich auf mögliche Ursachen von Durchblutungsstörungen reagiert und somit die rheologische Situation deutlich verbessert werden.
Bei nicht organisch zuzuordnendem Tinnitus ist nicht selten ein chronischer Bewegungsmangel, ein geschwächtes Immunsystem sowie ein allgemeines Unwohlsein des Patienten festzustellen. Vor diesem Hintergrund werden im Fachklinikum Brandis alle Möglichkeiten der Physio-, Sport- und Balneotherapie genutzt.
... der Orthopädie
Ist der Tinnitus auf Blockaden im Hals-Wirbelsäulen-Bereich zurückzuführen, ist es Ziel, diese Blockierungen zu lösen; ggf. sind habituelle Fehlstellungen zu korrigieren. Dies wird im Fachklinikum Brandis durch eine Fachärztin für Orthopädie praktiziert, die zusätzlich über die Zusatzbezeichnungen Chirotherapie und Sportmedizin verfügt. In der Regel ist es darüber hinaus erforderlich, eine geschwächte Halsmuskulatur zu kräftigen. Dies erfolgt überwiegend über aktive Therapien in Kombination mit balneo-physikalischen Maßnahmen wie Wirbelsäulengymnastik, Massagen, Elektrotherapie.
Um auch nach Ablauf der Rehabilitation beschwerdefrei und damit uneingeschränkt leistungsfähig zu sein, ist es erforderlich, den Patienten ein wirbelsäulengerechtes Verhalten zu vermitteln. Dies geschieht in der Rückenschule, in der qualifizierte Sporttherapeuten dem Patienten die erforderlichen Übungen vermitteln, die im Alltag ausgeführt werden können.
... der Neuropsychologie
Die Besetzung des psychologischen Bereiches entspricht in ihrer Qualität dem Anspruch der Klinik, syndromorientierte, auf die Bewältigung des Zusammenhangs zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden gerichtete medizinische Betreuung durchzuführen.
Die Leitung des psychologischen Betreuungsprozesses erfolgt durch einen erfahrenen Neuropsychologen; die Integration dieses wichtigen Bereiches in die ausgesprochen teamorientierte Einstellung aller Mitarbeiter des Fachklinikums ist voll gewährleistet.
Erheblicher Leidensdruck
Wie wichtig es ist, die Chronifizierung des Tinnitus durch Ausschöpfung aller Therapiemöglichkeiten zu verhindern, machte auch der Beitrag der leitenden Ärztin im Sächsischen Landesamt für Familie und Soziales, Ramona Schönherr, nur all zu deutlich. Ihren Zahlen zufolge leiden 35 bis 45 Prozent aller Erwachsenen zumindest zeitweise unter Tinnitus - 0,5 Prozent so stark, dass eine wesentliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände bis hin zu Berufsunfähigkeit damit einhergeht.
Die Zahlen verdeutlichten auch wie wichtig Selbsthilfeorganisationen wie die Deutsche Tinnitus Liga e.V. sind, mit der das Fachklinikum Brandis schon seit langem intensiv kooperiert. Die Vorsitzende dieser in Deutschland bedeutendsten Tinnitus-Organisation, Elke Knör, berichtete von ihrer täglichen Arbeit mit Betroffenen und deren Angehörigen.












