Stimm,- Sprech- und Sprachtherapie
   

Interview mit Andreas Deckelmann, Logopäde und Musiktherapeut im Fachklinikum Brandis

In der logopädischen Therapie im Fachklinikum Brandis werden den Patienten Hilfestellungen in der Bewältigung von Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen gegeben

In der logopädischen Therapie im Fachklinikum Brandis werden den Patienten Hilfestellungen in der Bewältigung von Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen gegeben

Herr Deckelmann, was verbirgt sich hinter dem Begriff Logopädie?

Logopädie kommt aus dem Griechischen und beinhaltet die Vorbeugung, Diagnose, Beratung und Behandlung von Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen bei Kindern und Erwachsenen durch ausgebildete Sprachtherapeuten (Logopäden). Für diese Arbeit ist das Fachklinikum Brandis bestens ausgestattet. In enger Teamarbeit betreuen wir unsere Patienten.

 

Vor noch nicht allzu langer Zeit war der Begriff Logopädie für viele unserer Patienten, vor allem der älteren Patienten, ein Fremdwort. Wenn Neuankömmlinge im Fachklinikum ihren ersten Therapieplan erhielten, runzelten sie die Stirn: „LOGOPÄDIE – was wird das wohl sein? Was muss ich da machen? Ob das etwas Angenehmes ist?“

 

Diese Irritationen sind für mich verständlich: In der ehemaligen DDR gab es den Beruf des Logopäden nicht. Die stimm- und sprachtherapeutische Arbeit oblag den Sprachheilpädagogen, den Klinischen Sprechwissenschaftlern und teilweise auch speziell ausgebildeten Phoniatrieassistentinnen. In den überall vorhandenen „Sonderpädagogischen Beratungsstellen für Stimm-, Sprach- und Hörgeschädigte“ wurden vor allem Kindertherapien durchgeführt. Aus Kapazitätsgründen konnten dort nur selten Erwachsene behandelt werden. Spezielle Zentren (Phoniatrische Abteilungen), die zum Beispiel Universitäten angegliedert waren, kümmerten sich darüber hinaus um die Therapie von Erwachsenen.

 

Welche Patienten profitieren von einer logopädischen Behandlung?

Vor allem Schlaganfallpatienten und zunehmend auch Tumorpatienten profitieren von der logopädischen Behandlung. Wir helfen ihnen bei ihrer Rehabilitation und erleichtern damit nach Ende der Reha-Maßnahme die Reintegration in ihr soziales Umfeld.

 

Meist wird schon bei der ärztlichen Aufnahme deutlich, wenn ein Patient „stimmlich“ auffällig ist. Aufklärung und prophylaktische Beratungen zu einer stimmschonenden Lebensweise sind dann unter Umständen ein ge eignetes Mittel, um ernsthafteren Stimmerkrankungen vorzubeugen. Mancher Patient, der schon deutliche Anzeichen einer Stimmerkrankung zeigt, verliert hier vielleicht die vorhandene Scheu und Skepsis vor der Aufnahme einer gezielten logopädischen Behandlung.

 

Es versteht sich jedoch von selbst, dass nicht jeder Patient des Fachklinikums Brandis eine logopädische Behandlung benötigt. Ein Großteil der Patienten befindet sich auf Grund orthopädischer, psychosomatischer oder internistischer Diagnosen in der Klinik.

 

Wie motivieren Sie Ihre Patienten?

Es ist nicht immer ganz einfach, das Interesse und die Motivation der Betroffenen zu gewinnen, denn ihr Leidensdruck ist in der Regel eher gering. Wenn wir jedoch verdeutlichen können, wie in einer Arbeitswelt mit allgemein steigenden Anforderungen auch die stimmlichen Anforderungen zunehmen werden, gewinnen wir die Patienten für Offenheit und aktive Mitarbeit. Auch in unserer Vortragsreihe „Stimmhygiene im Alltag“, die wir in unserem Fachklinikum seit Juli regelmäßig anbieten, können wir viele Patienten erreichen.

 

Was sollen die Vorträge den Patienten vermitteln?

Es geht uns in den Vorträgen darum,

  • Wissen über eine stimmschonende und stimmerhaltende Lebensweise zu vermitteln,
  • Gefahren zu benennen,
  • zu erklären, wie man sich bei beginnenden Stimmerkrankungen verhalten soll.

Wir bemühen uns sehr um Anschaulichkeit. Die Verständlichkeit des Vortrags wird durch viele Folien, kleine „Übungen zur Selbsterfahrung“ und Demonstrationen unterstützt. Es zeigte sich, dass wir im Allgemeinen auf eher geringe Vorkenntnisse bei den Patienten bauen können. Reaktionen wie „Das hat mir bisher noch niemand erklärt“ sind gar nicht so selten.

 

Am Anfang jedes Vortrags versuchen wir, den Teilnehmern die große Bedeutung der Stimmhygiene näher zu bringen. Menschen, die in sprechintensiven Berufen (Lehrer, Kindergärtnerinnen, Anwälte, Pfarrer etc.) arbeiten, verfügen hier oft schon über Vorkenntnisse aus der Zeit ihrer Berufsausbildung. Bei ihnen war das Fach „Sprecherziehung“ oft verbindlicher Ausbildungsbestandteil. Ganz anders ist das bei Menschen, die aus Berufszweigen kommen, in denen vorwiegend körperlich gearbeitet wird.

 

Die Zuhörer lernen außerdem die beteiligten Organsysteme kennen und erfahren, wie sie normalerweise („physiologisch“) arbeiten müssen. Beispielsweise erkunden sie im Selbstversuch, wie die eigene Ruhe- und Stimmatmung funktioniert. Und sie vergleichen ihre Beobachtungen mit dem Ergebnis des Nachbarn und mit der Norm. „Aha- Erlebnisse“ sind nicht selten.

 

Zwei weitere Schwerpunkte beschließen den Stimmhygienevortrag: Die Patienten erfahren, wie sie sich verhalten sollen, wenn ihre Stimme erkrankt. Erstes Zeichen hierfür sind meist Heiserkeit und Missempfindungen im Hals. Wichtigster Hinweis: Wer länger als 2 Wochen anhaltend heiser ist, sollte sich unbedingt beim HNO-Arzt vorstellen. Und zum Abschluss des Vortrags lernen die Patienten einige wenige Lockerungs- und Einsprechübungen kennen, um die Stimme vor größeren Belastungen etwas „aufwärmen“ zu können.

Andreas Deckelmann

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Ich heiße Andreas Deckelmann und wurde 1956 in Leipzig geboren. Nach meinem Abitur studierte ich zunächst am Institut für Lehrerbildung und absolvierte dann ein Zusatzstudium im Bereich Sprachheilpädagogik an der Humboldt-Universität in Berlin. Seit 1999 bin ich als Logopäde und Musiktherapeut im Fachklinikum Brandis tätig.

 

Oft entwickele ich in den wenigen Wochen, in denen die Patienten bei uns sind, ein sehr intensives Verhältnis zu ihnen. Man lernt die Lebensgeschichte dieser Menschen und ihre Schicksale kennen. Oft erfahre ich von einer Lebensleistung, die Hochachtung und Anerkennung verdient.

 

Wenn die Krankheit wie etwa ein Schlaganfall oder ein Unfall die Menschen zum „Patienten“ gemacht hat und ihre Kommunikationsfähigkeit seht eingeschränkt ist, ist die Not in aller Regel groß. Für mich bedeutet es dann ein großes Glück, wenn ich durch meine Arbeit an der Minderung der Symptome sowie an der Wiedererlangung von Lebensfreude und Lebenskraft mitwirken kann. Das geschieht zum großen Teil in der logopädischen Therapie. Aber auch die Musik kann dabei in idealer Weise helfen: Ich kenne schwer betroffene Menschen, die nach ihrem Schlaganfall kaum einen Satz herausbringen, aber dafür in der Lage sind zu singen bzw. bekannte Melodien zu summen.

 

Natürlich erschöpfe ich mich nicht nur in der Arbeit: Mein achtjähriger Sohn fordert mich sehr. Wir lernen zusammen „Flöte“ und gehen gerne schwimmen und segeln. Aber auch das Singen habe ich nicht an den Nagel gehängt. Mit Gleichgesinnten habe ich ein Doppelquartett gegründet, zu dem wir uns regelmäßig treffen, um Madrigale und kleine Motetten zu singen.

 

 

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