Polyneuropathie - eine diabetische Nervenerkrankung
   

Neurologische Aspekte des Diabetischen Fußsyndroms

Bei Diabetikern können im Laufe der Erkrankung zahlreiche Komplikationen auftreten. Jeder dritte Diabetiker leidet an einer sensomotorischen und/oder autonomen Polyneuropathie. Hierbei handelt es sich um eine Nervenerkrankung, die durch hohe Blutzuckerwerte verursacht wird. Die veränderte Stoffwechsellage führt zu vielfältigen Störungen an den peripheren Nerven, wobei insbesondere die Füße betroffen sind. Häufig wird die Nervenhülle degeneriert, die für eine schnelle Nervenleitgeschwindigkeit sorgt. Erste Anzeichen sind Taubheitsgefühle sowie Missempfindungen in den Füßen. Oftmals fehlt bei diesen Patienten die Schmerzempfindung völlig.

 

Durch die gestörte Nervenfunktion kann es auch zu massiven muskulären Dysbalancen kommen. So führt ein Schwund der Schienbeinmuskulatur zu einem ungebremsten Abrollvorgang und damit zu einer Überbelastung des Vorfußes. Eine muskulär bedingte Fehlstellung der Zehen verstärkt noch zusätzlich die erhöhte Druckbelastung. Durch fehlendes Muskelvolumen sinkt ebenfalls die Anzahl funktionierender Tiefensensibilitätsrezeptoren, was zur Folge hat, dass die Gelenkstellung verkannt wird. Dieses ist ein weiterer Faktor, der zu Fehlbelastung und zur Ausbildung eines weiteren Druckgeschwürs führen kann.

 

Muskelschwund führt zu Fehlbelastung

Auch ist der Neuropathie ein Verlust an Geschmeidigkeit und Elastizität des Fußes zuzuschreiben. Während normalerweise Fett- und Bindegewebe eine gute Adaptation des Fußgewölbes an die Unterlage ermöglichen, bedingen Stoffwechselstörungen das Einlagern von Wasser und eine Steifigkeit, die das Gehen behindern.

Eine Störung des autonomen Nervensystems kann ebenfalls die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigen. Einerseits besteht die Möglichkeit einer chronischen Minderdurchblutung, die sogar zum Absterben der Knochen führen kann und andererseits treten kompensatorisch Blutgefäßerweiterungen auf. Der Fuß ist dann chronisch überwärmt und reagiert bei Belastung nicht mit einer Durchblutungssteigerung. Des Weiteren ist eine Minderung der Schweißsekretion möglich, was zum vermehrten Austrocknen der Füße führt. Die Komplikationen der Polyneuropathie erschweren das normale Gehen und fördern die Entwicklung von schlecht heilenden Geschwüren. Die Früherkennung eines Diabetes mellitus und ein möglichst optimale Blutzuckereinstellung wirken den Komplikationen der neurogenen Störung entgegen.

 

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Autor: Dr. med. Norbert Pieles