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  Akuter Tinnitus - eine interdisziplinäre Herausforderung
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Zum 4. Mal trafen sich Experten aus ganz Deutschland im Fachklinikum Brandis, um sich über die neuesten Erkenntnisse zu Ursachen und Behandlung von Tinnitus auszutauschen. „Akuter Tinnitus - eine interdisziplinäre Herausforderung“ war dabei nicht nur der Titel, sondern auch das Resümee der Veranstaltung.

 

Die Zahlen sprechen für sich: 1,5 Millionen Deutsche haben einen behandlungsbedürftigen Tinnitus erlebt, 13 Prozent über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Patienten leiden vor allem psychisch ganz erheblich unter den ständigen Ohrgeräuschen. „Um so schlimmer, dass in den Medien die Behandlungschancen oft sehr negativ dargestellt werden“, kritisierte Prof. Andreas Dietz in seinem Vortrag. „Viel zu oft liest man: Da kann man nichts gegen machen.“ Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig unterstrich, dass akuter Tinnitus oder auch ein akuter Hörsturz zwar kein Notfall, aber doch ein Eilfall seien, der schnellstmöglich behandelt werden muss. Dabei sollten sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie das Ausmaß, die Begleitsymptome, etwaige Vorschäden und der subjektive Leidensdruck individuell berücksichtigt werden. Eine interdisziplinäre Vorgehensweise ist daher die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

 

Dass auch psychische Faktoren einen erheblichen Anteil an der Erkrankung haben können, gilt als gesichert. Doch oftmals wird diese Erkenntnis bei der Therapie kaum berücksichtigt. Hier werden Chancen vergeben, wie der Vortrag von Roberto D’Amelio von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums in Homburg demonstrierte. Der Diplom-Psychologe stellte die Ergebnisse einer Pilotstudie vor, bei der die Wirksamkeit einer kombiniert medizinisch-psychologischen Therapie untersucht wurde. Dabei zeigte sich, dass Patienten die zusätzlich zu medizinischen Therapien - wie der Infusionstherapie - eine psychologische Intervention erhielten, bereits nach 8 bis 10 Tagen bzw. 4 psychologischen Sitzungen deutlich weniger Beschwerden hatten.

 

Somit lässt sich bereits im Stadium des akuten Tinnitus durch ein kombiniert medizinisch-psychologisches Vorgehen die psychische Belastung deutlich senken und dadurch möglicherweise auch eine  Dekompensation im chronischen Stadium verhindern. Diese Erfahrungen konnten die Ärzte im Fachklinikum Brandis nur bestätigen. Ein Schwerpunkt der Einrichtung liegt im Bereich der Psychosomatik, die neben den explizit ausgewiesenen Indikationen bei vielen Erkrankungen, u.a. auch bei Tinnitus eine große Rolle spielt.

 

Erheblicher Leidensdruck

Wie wichtig es ist, die Chronifizierung des Tinnitus durch Ausschöpfung aller Therapiemöglichkeiten zu verhindern, machte auch der Beitrag der leitenden Ärztin im Sächsischen Landesamt für Familie und Soziales, Ramona Schönherr, nur all zu deutlich.

 

Ihren Zahlen zufolge leiden 35 bis 45 Prozent aller Erwachsenen zumindest zeitweise unter Tinnitus - 0,5 Prozent so stark, dass eine wesentliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände bis hin zu Berufsunfähigkeit damit einhergeht.

 

Die Zahlen verdeutlichten auch, wie wichtig Selbsthilfeorganisationen -wie die Deutsche Tinnitus Liga e.V. - sind, mit der das Fachklinikum Brandis schon seit langem intensiv kooperiert. Die Vorsitzende dieser in Deutschland bedeutendsten Tinnitus-Organisation, Elke Knör, berichtete von ihrer täglichen Arbeit mit Betroffenen und deren Angehörigen.

 

 

 

Sie erhalten weitere interessante Informationen unter http://www.tinnitus-information.de, der Internetseite des Akut-Tinnitus-Kompetenzzentrums am Fachklinkum Brandis. 



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