Multiprofessionelle Herausforderung
   

Interview mit Dipl.-Med. Christoph Matthäus, Stationsarzt im Fachklinikum Brandis

Dipl.-Med. Christoph Matthäus

Dipl.-Med. Christoph Matthäus

Als Stationsarzt der Abteilung für neurologisch-internistische Spezialindikationen
behandeln Sie in erster Linie Patienten mit Hirnerkrankungen. Um welche
Krankheitsbilder handelt es sich hier im Wesentlichen?

Beim überwiegenden Teil der Patienten, die in unserer Abteilung rehabilitiert werden, handelt es sich um Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Dieses oft unvorhersehbare und plötzlich auftretende Ereignis führt zu Behinderungen durch Halbseitenlähmung und halbseitige Sensibilitätsstörungen bis hin zu Ausfällen des Gesichtsfeldes. Gleichzeitig kommt es zu Schluckstörungen, Einschränkungen hinsichtlich der Sprache, des Sprachverständnisses, der Mundmotorik sowie der Hirnleistungsfähigkeit. Hierbei spielt die Lage und Größe der Durchblutungsstörungen im Gehirn eine entscheidende Rolle. Des Weiteren werden in unserer Abteilung Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen wie Hirnblutungen, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Querschnittslähmungen und anderen entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems rehabilitiert.

 

Welchen Stellenwert hat die neurologische Rehabilitation für den Therapieerfolg?

Die Rehabilitation der Ausfallsymptomatik spielt bei unserer Arbeit die Hauptrolle. Lähmungen im Bereich der Arme und Beine werden durch unsere Physio- und Ergotherapeuten behandelt. Hierzu gehören u. a. Maßnahmen zur Steigerung der Mobilität und zur Verbesserung des Gangbildes der Betroffenen. Durch eine gezielte Übung von Handlungen, die im täglichen Leben von Bedeutung sind, soll die Selbstständigkeit der Patienten so gut es geht wiederhergestellt werden. Ziel ist es, die Patienten wieder in die Lage zu bringen, mit möglichst wenig Hilfe ihren Alltag zu meistern und in ihren bisherigen Lebensbereich zurückzukehren. Da dieses Ziel nicht immer realisiert werden kann, organisiert unsere Sozialarbeiterin für die Zeit nach der Therapie notwendige Hilfen (Pflegedienste etc.). Das Behandlungskonzept des Fachklinikums Brandis beinhaltet weiterhin symptomorientierte Strategien. Hierbei ist insbesondere die logopädische Therapie bei Problemen der Sprache und des Sprachverständnisses sowie bei Schluckstörungen zu nennen. Aber auch das Hirnleistungs- und Gesichtsfeldtraining sind wichtige Behandlungsmaßnahmen. Ergänzt wird die neurologische Rehabilitation durch das Aufzeigen und Behandeln möglicher internistischer Risikoerkrankungen, die gerade für Schlaganfallpatienten prädisponierend sind. Das Augenmerk liegt hierbei auf Erkrankungen, die Gefäßschädigungen und Blutgerinnselbildungen begünstigen und so zu Durchblutungsstörungen im Hirnbereich führen. Hier spielen insbesondere Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen und bestimmte Herzrhythmusstörungen, aber auch gesundheitsschädigende Lebensgewohnheiten wie das Rauchen eine Rolle. Unsere Aufgabe ist es, diese Erkrankungen zu diagnostizieren, deren schädigende Einflüsse aufzudecken und diese zu behandeln oder zumindest positiv zu beeinflussen.

 

Wie wichtig ist hier die Zusammenarbeit der einzelnen Fachbereiche?

Ein entscheidender Vorteil im Fachklinikum Brandis ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurologen, Internisten, Psychiatern und Orthopäden. Ergänzend steht ein HNO-ärztlicher Konsiliararzt zur Verfügung. Einerseits wird durch das breite ärztliche Spektrum zu jeder Zeit die fachärztliche Kompetenz sichergestellt, andererseits bereichert das Zusammenwirken der einzelnen Fachgebiete einschließlich des regelmäßigen Erfahrungsaustausches in Form von Ärzte- und Teambesprechungen die fachliche Kompetenz jedes Kollegen enorm. Die Behandlungsstrategien können durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit frühzeitig erkannt und fachkundig gelöst werden.

 

Neben Ihrer Arbeit als Stationsarzt sind Sie Vorsitzender des Betriebsrates. Welche Aufgaben fallen
dort an?

Seit 1997 bin ich Mitarbeiter im Fachklinikum Brandis. 2001 entschloss ich mich, für den Betriebsrat zu kandidieren und die Funktion des Betriebsratsvorsitzenden zu übernehmen. Im Rahmen regelmäßiger Sitzungen werden die betriebsrelevanten Vorgänge und Probleme der Einrichtung besprochen und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Der Betriebsrat beteiligt sich außerdem aktiv an Maßnahmen der Qualitätssicherung sowie an Betriebsbegehungen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Teilnahme an speziellen Schulungen, in denen die Betriebsratsmitglieder befähigt werden, die Mitarbeiter der Klinik fachkundig zu unterstützen und zu beraten. Unser Ziel ist es ebenfalls, das für unsere tägliche Arbeit notwendige angenehme Arbeitsklima zu schaffen und dieses auch zu erhalten.