Kausale Therapieansätze bei MS
   

Schub um Schub

Typ-I-Interferone und Glatiramer-Acetat zeigen in zahlreichen US-amerkanischen und europäischen Langzeitsudien positive Wirkungen auf die Krankheitsschübe bei Multipler Sklerose und verzögern den Krankheitsverlauf. Dies stellen Dr. Alexander Tselis und Dr. Robert Lisak in einer aktuellen Übersicht über kausale Therapiemöglichkeiten bei MS fest (Arch. Neurol. 56, 277ff).

 

Typischerweise schreitet die MS besonders in den ersten Jahren schubweise fort: Sehstörungen, Parästhesien und spastische Paresen verschwinden nach einigen Tagen wieder vollständig. Im Laufe vieler Jahre - die Lebenserwartung beträgt nach Ausbruch der Krankheit durchschnittlich 25 Jahre - bleiben jedoch nach jedem Krankheitsschub Restsymptome zurück. Lähmungen schreiten fort, Blasen- und Mastdarmstörungen treten hinzu, häufig führen Komplikationen wie Pneumonien schließlich zum Tod.

 

Ursache und Auslöser für die Multiple Sklerose sind unbekannt. Wissenschaftler vermuten eine schleichende Virusinfektion oder eine Autoimmunreaktion, die zu schubweise auftretenden Entzündungsherden im Nervengewebe führt. An solchen Entzündungsherden, die sich im Kernspintomogramm beobachten lassen, wird die Myelin-Isolierungsschicht der Neuronen angegriffen und abgebaut. Die Folge: In den demyelinisierten Bereichen des Nervensystems werden Signale nicht mehr weitergeleitet.

 

Obwohl die Krankheit immer noch unheilbar ist, lässt sich neben der Behandlung der Symptome auch in der kausalen Therapie der Krankheitsverlauf durch Medikamente beeinflussen. An erster Stelle stehen hier die immunmodulatorisch wirksamen Interferone b-1b und -1a, die Zahl und Schwere der Schübe vermindern und eine positive Wirkung auf den Grad der Behinderung haben. Auch Glatiramer-Acetat, ein früher als Copolymer-1 bezeichnetes Peptidgemisch mit unbekanntem immunmodulatorischem Wirkmechanismus, zeigte sich in den Langzeitstudien in ähnlicher Weise erfolgreich. Der Effekt von Glatiramer-Acetat hielt zudem auch nach Beendigung der Behandlung an. Vielversprechend wäre auch eine Kombination beider Wirkstoffe. Eine Studie hierzu wird derzeit in den USA erwartet.

 

Andere Therapieansätze müssen nach Tselis und Lisak differenzierter bewertet werden: Corticoide verkürzen zwar die Dauer eines akuten Schubes, haben aber keine Langzeiteffekte. Immunsuppressiva haben sehr starke Nebenwirkungen. Intravenös verabreichtes Immunglobin birgt Risiken und zeigt keine Wirkung auf den Behinderungsgrad. Selbst Knochenmarktransplantationen verhindern keinen der neuen Schübe. Dennoch: Die Zahl untersuchten Agenzien steigt, die auf verschiedenen Wegen die Entzündungsreaktion beeinflussen sollen. Tselis gibt sich daher hoffnungsvoll: "MS-Therapie ist ein aktiver, dynamischer Prozess, und so gibt es Grund zu vorsichtigem Optimismus."

 

 

<< zurück