Ärztlicher Direktor
Fachklinikum Brandis
Dr. med. Dipl.-Psych.
Th. Müller-Holthusen
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Schon die alten Ägypter bewiesen orthopädisches Interesse und Erfindergeist
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Nicolas Andry (1658-1742) |
Die Frage nach dem Ursprung der Medizin ist schwer zu beantworten. Solange es Menschen gibt, solange gibt es auch Versuche, Krankheiten und Verwundungen zu heilen und Schädigungen des Bewegungsapparates und des Skeletts zu behandeln.
Streng genommen ist die Orthopädie erst etwas über 250 Jahre alt und könnte als ein Teil der Kinderheilkunde verstanden werden. Es war der Arzt Nicolas Andry, der 1741 sein berühmtes Lehrbuch "Die Orthopädie oder die Kunst, Körpermissbildungen bei Kindern zu verhüten oder zu korrigieren" veröffentlichte und damit nicht nur den aus dem Griechischen stammenden Begriff einer schon seit Jahrhunderten praktizierten Fachrichtung prägte, sondern auch eine Modewelle auslöste: Bald gehörte es zum guten Ton, sich mit Korsetts, Stützapparaten und Haltungsschäden zu beschäftigen.
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Hippokrates (460-377 v. Chr.) |
Die Menschen haben sich jedoch lange vorher schon mit Krankheiten, Verwundungen und deren Behandlungsmöglichkeiten auseinander gesetzt und sich bei Missbildungen des Skeletts oder Verletzungen des Bewegungsapparates Korrektur- und Heilmethoden erdacht. Papyrusschriften belegen, dass bereits die alten Ägypter (ca. 2500 v. Chr.) über umfassende Kenntnisse zur Behandlung von Gelenkluxationen verfügten. Bei Röntgenuntersuchungen von Mumien fand man unter anderem eine Mumie mit einer Holzprothese, die eine Hand ersetzte. Aufzeichnungen aus Indien zur Zeit der Wenden (3300 - 1000 v. Chr.) beweisen, dass man sich auch dort eingehend mit Heilungsmethoden und der funktionellen Wiederherstellung von verwundeten Gliedmaßen befasst hat. Geht man weiter in der Geschichte, so trifft man in Europa bei den alten Griechen auf so berühmte Ärzte wie Asklepios oder Hippokrates, die ebenfalls Studien zum Knochenbau und zu orthopädichen Behandlungsmöglichkeiten betrieben und komplizierte Vorrichtungen und Geräte zur Einrenkung von Frakturen und Luxationen erdacht haben. Es folgen beachtliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Anatomie und chirurgischen Orthopädie u.a. durch die Römer Celsus und Galenus, die sich eingehend mit dem Knochenbau und dem Bewegungsapparat beschäftigen.
Das Heilen und die Behandlung von verwundeten oder fehlstehenden Gelenken und Gliedmaßen war insbesondere auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen, in Feldzügen und Schlachten von großer Bedeutung. Militärärzte vollbrachten hier große Leistungen, und ihre Erfolge sind nicht selten Bestandteil der Legenden über mutige Krieger und Helden. So etwa auch zur Zeit der Kreuzfahrten, als in Salerno ein angesehenes medizinisch-chirurgisches Zentrum in Europa entstand, dessen Einfluss bis in das 15. Jahrhundert hinein reichte und wo viele berühmte Ärzte und bedeutende Militärchirurgen ausgebildet wurden. Allerdings gab es zu dieser Zeit auch jene berühmt-berüchtigten Bader und sog. Knochen-brecher, die von Ort zu Ort zogen und auf den Marktplätzen zum Teil zweifelhafte und brutale medizinischen Eingriffe vornahmen.
Die wissenschaftliche Entwicklung sowie der technische Fortschritt, die Neugier und Experimentier-freudigkeit in der Medizin gerade auch im Bereich der Orthopädie waren nicht aufzuhalten, und wie fast überall waren es auch hier oftmals viele kleine Details bei Behandlungsverfahren oder Eingriffen, die zusammengenommen deutliche Verbesserungen und Fortschritte brachten. So kann sich sicherlich nicht nur ein Wissenschaftler als Begründer der Orthopädie rühmen, zumal nach heutigem Verständnis der Schwerpunkt in der Orthopädie nicht allein auf Prävention und Korrektur von Körpermissbildungen bei Kindern liegt, sondern insbesondere auch Beschwerden verschleißbedingter Erkrankungen des Bewegungsapparates behandelt werden.














