Ärztlicher Direktor
Fachklinikum Brandis
Dr. med. Dipl.-Psych.
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Vergesslichkeit ist nicht gleich Alzheimer
„Ich werde wohl noch Alzheimer kriegen“: Diese recht zweifelhafte Aussage haben fast alle schon einmal gehört, obwohl die Art und Weise der Selbstkritik nicht nur inkorrekt, sondern auch für die „wahren“ Betroffenen und deren Angehörige entwürdigend ist. Psychische Krankheiten werden häufig als von vornherein außerhalb des eigenen Erlebnisbereichs stehendes, manchmal sogar komisches und auch peinliches Schicksal angesehen.
Der deutsche Arzt Alois Alzheimer entdeckte bei einer etwa 50-jährigen Frau die nach ihm benannte Alzheimer-Erkrankung. Zunächst war die Persönlichkeit der Patientin noch wenig verändert, aber ihre Vergesslichkeit vor allem für das Neugedächtnis nahm rapide ab, bis sie selbst den Arzt nicht mehr erkannte. Es entwickelte sich eine präsenile Demenz, also ein Hirnschwund, er vor dem Greisenalter eintritt. Ähnliche Veränderungen sind jedoch auch im hohen Alter beschrieben, man nennt sie dann erntsprechend „senile Demenz vom Alzheimer-Typ“.
Doch nicht jede Vergesslichkeit ist gleich Alzheimer. Wenn wir mit 50 ab und an vergesslich sind, hat das meist ganz alltägliche Ursachen: Zu viel Stress, zu wenig Schlaf, vielleicht auch zu viel Alkohol, radikale Gewichtsreduktionsversuche und natürlich das biologische Alter spielen hier eine Rolle. Viele Defizite können durch eine Anpassung der Lebensweise behoben werden. Die Alzheimer-Erkrankung ist dagegen unheilbar. Bislang konnte noch kein Medikament gefunden werden, das den Verlauf der Krankheit aufhält.
Die Alzheimer-Erkrankung ist nur eine Form der Demenz
Fünf Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre leiden an einer Demenz. Diese äußert sich in zunehmender Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Desorientierung bis hin zur Persönlichkeitsveränderung. Ein zunehmendes Problem in unserer Gesellschaft sind die Alltagsdrogen: So kann das Gehirn jahrelangen übermäßigen Konsum von Alkohol nur eine Zeit lang kompensieren, dann kommt es in den meisten Fällen zu einer äußerst raschen Entwicklung des demenziellen Prozesses. Häufig bilden sich Demenzen auf der Grundlage von Durchblutungsstörungen aus. Dies kann nach wiederholten Schlaganfällen der Fall oder auch anlagebedingt im Gehirn vorhanden sein. Zur Verhinderung dieser Demenzart spielt die Prävention eine wichtige Rolle: Blutdruckeinstellung, Gerinnungshemmung, Blutfettsenkung, Risikofaktoreindämmung, sportliche Bewegung und Ernährungsoptimierung sind hier von großer Bedeutung.
Die Alzheimer-Erkrankung ist also bei weitem nicht die einzige Demenzform, die wir kennen. Der schleichende, aber unübersehbare Abfall des geistigen Leistungsvermögens ist für alle Beteiligten, nicht zuletzt für den Patienten selbst, eine schwer lösbare Aufgabe. Nur durch ein hinreichendes Wissen um die Art der Erkrankung und die Nutzung der Erfahrung anderer Betroffener (z. B. durch Selbsthilfegruppen) kann das tägliche Leben in zufrieden stellender Weise bewältigt werden.












