Folgeschäden vermeiden
   

Interview mit Romy Kirchner, stellvertretende Stationsschwester und Diabetesberaterin im Fachklinikum Brandis

Frau Kirchner, warum ist eine umfassende und qualifizierte Beratung und Betreuung der Diabetes-Patienten so wichtig?

Eine umfassende und qualifizierte Betreuung und Beratung der Patienten mit Diabetes mellitus ist für die Risikominimierung von Folgeschäden wie zum Beispiel die Reduzierung von Augen-, Nieren- und Nervenschädigungen unverzichtbar. Dabei steht die Lebensqualität des Patienten im Mittelpunkt, was so viel heißt, dass die Therapie dem Leben des Patienten angepasst sein muss und nicht umgekehrt das Leben der Therapie. Zusammen mit dem Patienten müssen vor Beginn der Therapie Ziele festgelegt werden, die dem Hauptziel, Folgeschäden zu vermeiden, unter der Berücksichtigung des täglichen Lebens (Beruf, Freizeit, Ernährung) gerecht werden. Jeder Patient sollte deshalb individuell geschult werden, damit der Lehrstoff überschaubar bleibt und der Patient nicht vor zu vielen Informationen kapituliert.

 

Auf welche Punkte gehen Sie in Ihrem Teil der Diabetes-Schulung im Wesentlichen ein?

Im Fachklinikum Brandis hat sich das strukturierte Schulungsprogramm der DDG fest etabliert. In meinen Schulungsstunden erlernen die Patienten die Messung des Blutzuckers und die Bestimmung anderer diabetesspezifischer Parameter. Eine weitere Unterrichtseinheit ist dem Umgang mit Pen und Spritze sowie der Lagerung des Insulins und der Injektionstechnik gewidmet. Eine ganz wichtige Schulungseinheit und unverzichtbar ist die „richtige Fußpflege“, Voraussetzung zur Vermeidung des diabetischen Fußsyndroms. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Patienten außerhalb der Schulungen mit ihrem Diabetes alleine gelassen werden. So finden die Patienten im täglichen Gespräch immer Antworten auf ihre Fragen. Abschließende Schulungseinheit ist die Stunde „Offene Fragen“. Hier können die Patienten zu allen gehaltenen Schulungsstunden, zum Beispiel Ernährung, Insulindosisanpassung oder aber Wirkung des Insulins, Fragen stellen. Zugleich nutze ich diese Stunde, um mit Hilfe eines kleinen Tests, vor dem kein Patient Angst haben muss, die Effektivität unserer Schulungen zu überprüfen.

 

Welche Fehler machen Diabetes-Patienten am häufigsten?

Patienten mit Diabetes mellitus machen häufig den Fehler, ihre Erkrankung zu unterschätzen. Der Diabetes erfordert von jedem Einzelnen jeden Tags aufs Neue sehr viel Disziplin (Blutzuckerkontrolle, Spritzen, BE einschätzen, Insulindosis berechnen). Jeder sollte auch für diese Belastung der Patienten Verständnis aufbringen. Ich als Diabetesberaterin finde es sehr wichtig, auch das persönliche Gespräch zu suchen, um die Ursachen für das Verhalten der Patienten zu ergründen und um gemeinsam mit ihnen eine Lösung zu finden.

 

Ein mögliches Spätsyndrom bei Diabetes mellitus ist der Diabetische Fuß. Welchen Stellenwert hat die Aufklärung und Information zur richtigen Fußpflege bei der Diabetes-Beratung?

Der sehr hohe Stellenwert der Aufklärung und Information zur richtigen Fußpflege bei der Diabetesberatung ist bedingt durch die immer noch sehr hohe Zahl von ca. 28 000 Amputationen an Füßen von Diabetikern pro Jahr. Und das in der heutigen Zeit, in der doch eine flächendeckende Betreuung von Patienten mit Diabetes mellitus gewährleistet sein sollte. Auf Grund dessen habe ich auch kürzlich an dem BARFUSS-Projekt des Verbandes der Diabetes-BeraterInnen Deutschlands (VDBD), einem Programm zur Schulung von Patienten mit Hochrisikofüßen, teilgenommen. Die dort gewonnenen Erkenntnisse können nun auch in unserem Fachklinikum den entsprechenden Patienten vermittelt werden.

 

Welchen persönlichen Zugewinn schöpfen Sie aus Ihrer Arbeit?

Das Wohl aller Patienten liegt mir sehr am Herzen. Um dafür immer neue Erkenntnisse zu gewinnen und diese natürlich auch weiterzugeben, bin ich im VDBD. Im Rahmen dieses Verbandes arbeite ich aktiv in der AG Sachsen mit. In der AG Sachsen stehen alle Diabetesberater und Assistenten im ständigen Erfahrungsaustausch. Dabei steht nicht nur unsere eigene Weiterbildung im Vordergrund, sondern auch die Weiterbildung anderer medizinischer Berufe. Wir beteiligen uns an der Weiterbildung von Krankenpflegepersonal, Sozialstationen, Altenpflegepersonal, leiten Seminare bei interdisziplinären Veranstaltungen und führen Seminare bei den Tagungen der Sächsischen Stoffwechselgesellschaft durch. Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetes Bund (DDB) und der enge Kontakt zu Selbsthilfegruppen ist für uns selbstverständlich. Wir sorgen dafür, dass durch unsere Arbeit Patienten unser Fachklinikum mit dem nötigen Rüstzeug für ihren Alltag verlassen. Dies gibt allen aus unserem Team und natürlich auch mir, ein sehr gutes Gefühl.

Romy Kirchner

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  • geboren 1964 in Wurzen
  • verheiratet, ein Kind
  • seit 1995 stellvertretende Stationsschwester im Fachklinikum Brandis
  • seit 1997 zusätzlich Diabetesberaterin im Fachklinikum Brandis
  • Hobbys: Thai-Bo, Wandern, Schwimmen, Lesen

 

 

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