Die ersten Stunden entscheiden
   

Spezialisierte Schlaganfallstationen ermöglichen eine schnelle Diagnose

Hirninfarkt oder Hirnblutung? Während die Umgangssprache beide Ereignisse als Schlaganfall bezeichnet, ist für die erfolgreiche Behandlung die genaue Unterscheidung unbedingt erforderlich. Spezialisierte Ambulanzen (stroke units) in neurologischen Kliniken verfügen über die neuesten Therapiemöglichkeiten zur sofortigen Diagnose. Die Fortschritte bei der medikamentösen Behandlung sind dagegen gering.

 

Die medikamentöse Therapie von Schlaganfällen tritt auch heute noch auf der Stelle. Dennoch hat sich einiges getan. An vielen neurologischen Kliniken entstehen spezialisierte Schlaganfallstationen, so genannte "stroke units". Diese Notfalleinrichtungen verfügen über die neuesten Therapiemöglichkeiten und diagnostischen Methoden. Denn vor der Entscheidung über die Art der Behandlung steht die Frage, ob es sich um einen Hirninfarkt oder um eine Hirnblutung handelt. Umgangssprachlich werden beide Ereignisse zwar mit dem Begriff Schlaganfall bezeichnet, die Therapie erfordert aber eine strenge Unterscheidung. Denn eine Hirnblutung kann man nicht mit durchblutungsfördernden Medikamenten behandeln, während ein Hirninfarkt gerade auf die akute Minderdurchblutung eines Hirnabschnitts zurückzuführen ist. Erst mit der Einführung der Computertomographie konnte der Arzt zwischen Infarkt und Blutung unterscheiden.

 

Keinesfalls treten die Warnsignale schlagartig auf. Der klinische Ausfall hängt von der jeweils betroffenen Hirnseite ab und kann von einer nur sehr leichten Symptomatik, die nicht immer eine Lähmung sein muss, bis zu einer Halbseitenlähmung reichen. Weitere häufig auftretende Symptome sind Sprachstörung (Aphasie), Mundwinkellähmung (zentrale Faciallisparese) und Koordinationsstörungen (Ataxie). Die meist fehlende Schmerzsymptomatik bedingt, dass sowohl Patient als auch Arzt den Schlaganfall weniger als Notfall empfinden als etwa den Herzinfarkt. Dabei haben einige medikamentöse Therapien nur in den ersten Stunden nach dem Ereignis einen Sinn. Zunächst gilt es, mit Hilfe einer Computertomographie eine Hirnblutung auszuschließen.

 

Akute Therapiemaßnahmen

Zur Therapie des Infarkts stehen den stroke units Schädel-CT, Doppleruntersuchungen der Hirngefäße, Hirnangiographie, Echokardiographie und EKG zur Verfügung. Neben der Akutbehandlung der Komplikationen wie Hirnschwellung und Blutviskositätserhöhung (zähflüssiges Blut) ist die Senkung des oft kritisch erhöhten Blutdrucks eine der wesentlichen Akutmaßnahmen. Heute ist allgemein anerkannt, dass nur systolische Drücke (1. Wert) über 200-220 mmHg und diastolische (2. Wert) über 110 mmHg gesenkt werden. Es handelt sich nämlich um Erforderniswerte, die vom Körper selbst gegen eine Vergrößerung des Hirninfarktes reaktiv gesteuert werden.

 

Binnen Stunden sind spezifische Lyseverfahren einzuleiten zur Lösung des Blutgerinnsels, das zum Hirninfarkt führt. Das ist keine neue Therapie, aber bisher war sie mehr bei selteneren Infarkten der hinteren Hirngebiete erfolgreich. Weltweit laufen in den stroke units in den vergangenen Jahren zahlreiche und umfangreiche Studien mit verschiedenen Lysemedikamenten, die auf einen durchschlagenden Erfolg in nächster Zeit hoffen lassen.

 

Nach dem akuten Ereignis ist also sowohl schnelle spezialisierte Hilfe geboten als auch sorgsames Abwägen von Risiko, Wirkung und mögliche Komplikationen. Zur Rezidivprophylaxe gibt es einige wesentliche Maßnahmen: Blutdruckeinstellung, striktes Nikotinverbot, Therapie des Fettstoffwechsels, Absetzen von oralen Kontrazeptiva und die Hemmung der Thrombocytenaggregation (Ballung der Gerinnungsplättchen). Die bewährte Acetylsalicylsäure (ASS) ist dazu ein bewährtes Mittel.

 

Von größter Bedeutung in der Nachsorge ist der stufenlose Übergang von der Akutversorgung über die Frührehabilitation in der Reha-Einrichtung mit physio- und ergotherapeutischen, logopädischen und psychologischen Therapien bis zur ambulanten Weiterbetreuung in der Nähe des Wohnortes des Patienten.

 

 

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