Ärztlicher Direktor
Fachklinikum Brandis
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Elektrophysiologische Untersuchungen bei diabetischer Polyneuropathie
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Ein schlecht eingestellter Blutzucker kann zu Folgekomplikationen wie der Polyneuropathie führen |
Bei Patienten mit Diabetes mellitus können sich bekanntlich bei schlecht eingestelltem Blutzucker verschiedene, zum Teil ernsthafte Komplikationen entwickeln. Zur genaueren Abklärung werden elektrophysiologische Verfahren eingesetzt.
Die beiden häufigsten Folgekomplikationen des Diabetes mellitus machen sich bei den Betroffenen an den Füßen und später auch an den Händen in Form von unangenehmen Missempfindungen bemerkbar. Diese werden in der Regel durch Durchblutungsstörungen (Angiopathie) oder Störungen an den Nerven der Füße (Polyneuropathie) verursacht.
Letztere können sich als Kribbel- und Druckgefühle bis hin zu äußerst behindernden Taubheitsgefühlen äußern, was dazu führt, dass der Patient den Fußbodenbelag nicht mehr spürt. Auch die so genannte Tiefensensibilität kann gestört sein. Die Folge: Der Betroffene erkennt die Lage des Körpers im Raum nicht richtig. Er kann das Gleichgewicht nicht mehr halten und benötigt Gehhilfen. Später können auch regelrechte Lähmungen, wie zum Beispiel Fußheberschwächen, auftreten.
Messung der Nervenzellaktivität
Um derartige Veränderungen zu objektivieren und sie von den vorwiegend durchblutungsbedingten Störungen zu unterscheiden, werden elektrophysiologische Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören vor allem die Elektromyographie (MEG) und die Elektroneurographie (ENG).
Elektromyographie
Die Elektromyographie ist eine Methode zur Messung der elektrischen Aktivität von Muskeln, die in Ruhe und bei Bewegung entsteht. Stärke und Art dieser Stromimpulse sind Maß für die Muskelfunktion. Die Muskelaktivität stellt sich dabei in Form so genannter Muskelaktionspotenziale (MAP) dar. Es werden spontane MAP (Aktivität des Muskels in Ruhe), MAP bei Willkürbewegungen und durch elektrische Stimulation erzeugte MAP aufgezeichnet.
Elektroneurographie
Auf der Haut des Patienten werden Oberflächenelektroden eines Messgeräts befestigt. Über diese so genannten Reizelektroden wird der zu untersuchende Nerv an mindestens zwei Stellen durch einen schwachen, sehr kurzen Stromimpuls stimuliert. Man misst die Zeit bis zum Eintreffen des Impulses an den Ableitelektroden und zeichnet diese auf. Wird ein Nerv untersucht, dessen Reizung eine bestimmte Muskelreaktion verursacht, kann man auch die Muskelantwort messen. Die Nervenleitgeschwindigkeit errechnet man aus der gemessenen Zeit und der Entfernung zwischen Reiz- und Ableitelektroden.
Beim Diabetiker muss nicht immer die subjektiv gefühlte Taubheit mit den objektiven ENG-Werten übereinstimmen. Langsamere Nervenleitgeschwindigkeiten sind allerdings ein Warnsignal, den Blutzucker möglichst zu optimieren. EMG-/ENG-Untersuchungen sind ebenfalls ein geeignetes Mittel, um festzustellen, wie weit der Prozess der Polyneuropathie im Laufe der Diabetes-Erkrankung fortgeschritten ist. Obwohl die Polyneuropathie mit Liponsäure oder B-Vitaminen behandelt werden kann, ist die wirksamste Methode noch immer, den Blutzucker möglichst optimal einzustellen, wenn nötig natürlich auch mit einem der modernen Insulinpräparate.
Autor: Dr. med. Norbert Pieles













