Der Drepressionsbegriff im Wandel der Zeit
   

So alt wie die Menschheit

Die ersten Beschreibungen von verschiedenen Stimmungslagen der Menschen gehen bis in die Antike auf Aristoteles zurück. Im Rahmen der antiken Vier-Säfte-Lehre begegnet uns der Begriff "Melancholie" (Schwarzgalligkeit, etwa 500 Jahre v. Chr.). Hierunter verstanden die Menschen einen mutlos-traurigen Geistes- oder Gemütszustand. Die Ursache für die Erkrankung wurde als körperlich angesehen. Der Ausdruck der Melancholie spielte auch im außermedizinischen Schrifttum eine beachtliche Rolle. So verstand man unter dem Melancholiker nicht nur einen schwermütigen Zeitgenossen, sondern auch einen Menschen, der durch sein Grübeln und Sinnieren Außergewöhnliches und Geniales hervorbringen kann. Im späten Mittelalter wird die somatische Grundlage der Melancholie aufgegeben. Die Krankheit erfährt eine dämonologische Interpretation. Erst um die Jahrhundertwende wandelt sich der Begriff Melancholie in das uns heute bekannte Wort Depression (vom lat. Wort "deprimere" abstammend = herunter-, niederdrücken).

 

Wegbereiter der modernen Depressionsforschung und Depressionslehre waren in chronologischer Reihenfolge die Mediziner Kraeplin, Jaspers und Bleuler. Die Depressionen gehören heute zu den psychischen Erkrankungen, mit denen der Arzt in Praxis und Klinik am häufigsten konfrontiert wird. Exakte Zahlen in der Häufigkeit der Erkrankung schwanken zwischen den einzelnen Ländern und den Kulturkreisen. Zwischen 8 und 20% der Gesamtbevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens (Lebenszeitprävalenz) an einer Depression. Aufgrund der Häufigkeit der Erkrankung und des damit verbundenen persönlichen Leidens ist es wichtig, depressive Verstimmungen und beginnende Depressionen zu erkennen und einer gezielten modernen Therapie zuzuführen.

 

Gute und effiziente Behandlung

Bei einer bestehenden Depression ist jedoch nicht von einem statischen Symptomkomplex auszugehen, sondern das Auftreten einer Depression kann sich verschiedenartig äußern, so zum Beispiel als eine gehemmte Depression (Reduktion von Psychomotorik und Aktivität), des Weiteren als agitierte Depression (hier prägen ängstliche Getriebenheit, Bewegungsunruhe sowie unproduktiv-hektisches Verhalten das Bild) bzw. als "larvierte", somatisierte Depression (hier stehen funktionelle Organbeschwerden im Vordergrund). An dieser Stelle soll jedoch vehement darauf hingewiesen werden, dass depressive Erkrankungen zum heutigen Zeitpunkt sehr gut und effizient behandelbar sind. Es kommen dabei ein kombiniertes Therapieprogramm und Soziotherapie zum Einsatz. Nur unter Anwendung aller drei Therapiesäulen ist eine effiziente Depressionsbehandlung und Rezidivprophylaxe zu erreichen. Im Rahmen der Forschungstätigkeit geht man heute hinsichtlich der Ätiopathogenese von einem multifaktoriellen Modell aus. Des Weiteren stützt man sich heute auf ein Vulnerabilitätskonzept (anlagebedingte Verletzlichkeit). In diesem spielen genetische und neurobiologische Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die letztgenannten Faktoren sind jedoch nicht oder nur ausgesprochen schwer zu beeinflussen. So sollte bei der Depressionsprophylaxe das Augenmerk auf den psychologischen Faktoren liegen. Risikofaktoren sind dabei für die Auslösung depressiver Erkrankungen so genannte Stressoren (übermäßige Belastung, Tod von nahe stehenden Menschen, Scheidung, Trennung, Arbeitslosigkeit, Selbstaufgabe etc.). An dieser Stelle soll darauf verwiesen werden, dass jeder Einzelne nach Möglichkeit diese Risikofaktoren minimieren sollte. Des Weiteren ist auf eine ausgewogene Psychohygiene (Stressabbau, entlastende Gespräche, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung, regelmäßige familiäre, religiöse oder soziokulturelle Höhepunkte etc.) zu achten.

 

Zusammenfassend sei festgestellt, dass das Krankheitsbild der Depression so alt ist wie die Menschheitsgeschichte selbst.

 

 

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Dr. med. Andreas Schneidler