Die Alzheimerkrankheit
   

"Eigenartige Krankheit der Hirnrinde" - erstmals 1901 in Fallstudie beschrieben

Der Neurologe, Psychiater und Hirnpathologe Alois Alzheimer stellte im Jahre 1901 erstmals im Rahmen einer Fallstudie eine 51-jährige Patientin vor, die trotz ihres geringen Alters deutliche Merkmale eines sonst nur im höheren Alter bekannten geistigen Abbauprozesses aufwies. War die Patientin noch vor wenigen Jahren im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, so konnte sie bei Aufnahme in die Städtische Irrenanstalt in Frankfurt am Main 1901 auf fast alle Fragen, die man ihr stellte nur noch mit ihrem Vornamen antworten: „Wie heißen Sie?“ "Auguste." „Wie heißt Ihr Mann?“ „Auguste.“ Die Nervenärzte waren ratlos.

 

Nach dem Tod der Patientin fünf Jahre später entdeckte Alzheimer bei der Sektion eine erhebliche Hirnartrophie, einen Schwund der Gehirnanteile, die zum Beispiel für Orientierungsvermögen, Erinnerungsvermögen und Gefühlsleben verantwortlich sind. Außerdem fand er Eiweißablagerungen und „verfilzte Nervenfaserbündel“, die ein gesundes Gehirn nicht aufweist. Zunächst nannte Alzheimer, der später an den Lehrstuhl für Psychiatrie der Universität Breslau berufen wurde, seine Entdeckung „eine eigenartige Krankheit der Hirnrinde.“

 

Nach seinem frühen Tod – er starb an einer Infektionskrankheit, wurde die Erkrankung zu Ehren des Entdeckers „Alzheimerkrankheit“ genannt. Danach verschwand die „Neuentdeckung“ lange Zeit wieder in der Versenkung. Besonders in den Jahren der Nazidiktatur wollte man in Deutschland nichts wissen über Menschen, die in recht frühen Lebensjahren vollkommen hilflos auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Nach dem zweiten Weltkrieg machte die Medizin jedoch gewaltige Fortschritte: Die Lebenserwartung der Menschen stieg u.a. mit der Entdeckung des Penicillins stark an.

 

Auch die Toleranz gegenüber psychisch Erkrankten ist in unserer heutigen Gesellschaft wesentlich höher als noch vor hundert Jahren, wenn dabei auch mitunter Zweifel aufkommen mögen. „Jung und dynamisch“ klingt allemal besser als „alt und verwirrt“.. Trotzdem hüllt sich immer seltener ein Mantel des Schweigens über die Erkrankung. In Deutschland werden zunehmend mehr Mittel für die Alzheimer-Forschung zur Verfügung gestellt. Ein heilendes Medikament hat man bisher noch nicht entdeckt. Doch ebenso wichtig ist es, Formen zu finden, die soziale Integration der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu erleichtern und ein realistisches Bild der Erkrankung in der Gesellschaft aufzubauen. Die Bemerkung „Ich hab´ ja auch schon Alzheimer“ relativiert sich, wenn die Mitmenschen etwas mehr von der eigentlichen Erkrankung wissen.

 

 

<< zurück



Autor: Dr. med. Birk Engmann