Ärztlicher Direktor
Fachklinikum Brandis
Dr. med. Dipl.-Psych.
Th. Müller-Holthusen
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Worauf speziell Patienten mit Diabetes achten müssen
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Alkohol greift auf vielfältige Weise in den Stoffwechsel des menschlichen Organismus ein. Die schädigenden Einflüsse und Gefahren eines chronischen Alkoholkonsums sollten nicht verkannt werden . Die menschliche Leber reagiert bei Stoffwechselgesunden wie auch bei Diabetikern, auf toxische Einflüsse gleich. Zu diesen gehört auch der chronische Alkoholkonsum. Als weitere wesentliche Wirkungen sind die Einflüsse auf den Glukosestoffwechsel der Leber und eine Steigerung des Harnsäurespiegels mit der Gefahr eines Gichtanfalls zu nennen. Die Schädigung der Magenschleimhäute, des Dünndarms sowie der Bauchspeicheldrüse (chronische Pankreatitis) führt zur Störung von Verdauung und Resorption, dem Körper fehlen hierdurch u. a. Vitamine und Mineralstoffe. Folge hiervon können unter anderem Störungen der Blutbildung sowie Schäden im Bereich des Nervensystems sein.
Eine besondere Beachtung dieser Zusammenhänge ist bei bereits vorbestehenden Stoffwechselstörungen, insbesondere beim Diabetes mellitus wichtig. Bei Zufuhr größerer Alkoholmengen wird die metabolische Leberfunktion in Richtung einer verminderten Glukoseneubildung verändert, Alkohol kann vorübergehend blutzuckersenkend wirken. Diese postalkoholische Hypoglykämie ist somit Folge mangelnder Glukoseneubildung in der Leber und fehlender Glukogenreserven. Zuckerkranke sollten auf diese Gefahr des Alkoholgenusses hingewiesen werden, außerdem muss die Alkoholzufuhr kalorisch in Rechnung gesetzt werden. Alkohol ist in der Diabetes-Diät quantitativ und qualitativ zu berücksichtigen.
Von alkoholischen Getränken, die den Blutzucker nicht erhöhen, können gelegentlich ein bis zwei Gläser getrunken werden (trockene Diabetikerweine, trockener Champagner, klare Konzentratgetränke wie Aquavit, Whisky, Obstler, Wacholder, Korn etc.). Für Diabetiker nicht geeignet sind Alkoholgetränke, die Zucker enthalten. Hierzu gehören süße Obstweine, normaler Sekt, Liköre, Spätlese- und Ausleseweine und normale, insbesondere dunkle Biersorten. Generell sollte die Alkoholzufuhr jedoch begrenztbleiben, bei Diabetespatienten sind bis zu 15 g A l ko h o l pro Tag für Frauen (1 Schoppen Wein) bzw. bis zu 30 g Alkohol für Männer (1-2 Flaschen Bier) in der Regel akzeptabel. Zu beachten ist bei Insulin spritzenden oder Sulfonylharnstoffe einnehmenden Diabetike rn das besondere Risiko von alkoholinduzierten Hypoglykämien. Deswegen sollten diese Patienten Alkohol nur parallel zu kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten trinken.
Generell wirken sich alkoholische Getränke bei Diabetespatienten zunächst ebenso aus wie bei Gesunden. Sie führen zur Abhängigkeit, beeinträchtigen das zentrale Nervensystem und neben der hepatischen Glukoseproduktion auch die Wirksamkeit der horm onellen Gegenregulation. Der in alkoholischen Getränken enthaltene Kohlenhydratanteil sollte deshalb zur Vermeidung von Hypoglykämien bei der Insulindosierung nicht berücksichtigt werden.
Übermäßiger chronischer Alkoholgenuss geht bei Diabetike rn mit einer erhöhten Inzidenz einer proliferativen und exsudativen Retinopathie einher. Auch andere diabetische Spätkomplikationen treten gehäuft auf. Die protektive Wirkung einer moderaten Alkoholaufnahme wird durch seine Wirkung auf die Atherogenese und insbesondere auf den Lipoproteinstoffwechsel bewirkt. Obwohl ein direkter Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Lipoproteinmetabolismus bisher nicht sicher nachgewiesen werden konnte, besteht epidemiologisch kein Zweifel daran, dass erhöhte HDL-Plasmaspiegel für die Reduktion der KHK-Inzidenz verantwortlich sind.
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Autoren: OA Dr. med. Kerstin Pirlich, Dr. med. Christoph Matthäus













