Ärztlicher Direktor
Fachklinikum Brandis
Dr. med. Dipl.-Psych.
Th. Müller-Holthusen
Am Wald
04821 Brandis
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Interdisziplinäres Therapiekonzept ermöglicht erfolgreiche Behandlung
Adipositas (Vermehrung der Körperfettmasse) ist mittlerweile eine sehr häufige Erkrankung, Tendenz steigend. Allein in der Bundesrepublik Deutschland sind in den alten Bundesländern 54,6 Prozent der Frauen und 39,7 Prozent der Männer übergewichtig. In den neuen Bundesländern sind es 48,1 Prozent der Männer und 37,2 Prozent der Frauen. Besorgnis erregend ist hierbei insbesondere der steigende Prozentsatz massivst adipöser Menschen bereits im jüngeren Lebensalter. Adipositas entsteht als Folge von physischen, psychischen, sozialen und genetischen Faktoren. Sie ist eine heterogene Störung, die auf verschiedene Ursachen zurückzuführen und mit unterschiedlichen Risiken belastet ist.
Prinzipiell kann Übergewicht nur dann entstehen, wenn die tägliche Kalorienaufnahme langfristig den Energieverbrauch des Körpers übersteigt. Sie stellt also letztlich ein Bilanzproblem dar. Die Energieaufnahme wird über die Nahrungsaufnahme, also über das Essverhalten und die damit verbundenen Mechanismen von Hunger und Sättigungsgefühl, beeinflusst. Die Energieabgabe erfolgt in Form von Muskelarbeit und Produktion von Wärme, zudem spielt das Niveau des Grundumsatzes eine wichtige Rolle.
Definitionsgemäß liegt Übergewicht dann vor, wenn das Körpergewicht über dem so genannten Normalgewicht (nach Broca: Körpergewicht (cm) - 100) oder über dem normalen Körpermaßindex (Body-Mass-Index: Körpergewicht in kg : Körpergröße in qm) liegt. Ein Krankheitswert liegt dann vor, wenn sich als Folgen der mechanischen bzw. psychischen Belastung Arthrosen, Ischias, Varikosis, Thromboembolien oder Hernien entwickeln. Die Adipositas ist dann immer mehr ein in den Vordergrund tretendes und in der Häufigkeit zunehmendes Gesundheitsproblem.
Genetik und Lebensstil bestimmen das Körpergewicht
Die bisherigen Ergebnisse der konservativen Behandlung der Adipositas sind nicht zufrieden stellend. Vermutlich hat noch nicht einmal jeder 10. Versuch der Gewichtsreduktion dauerhaften Erfolg. Genetik und Lebensstil bestimmen gemeinsam das Körpergewicht bzw. den Body-Mass-Index. Erbanlagen, die sich während der vergangenen Jahrtausende mit limitierten Nahrungsressourcen als vorteilhaft für das Überleben erwiesen und damit in der Evolution durchgesetzt haben, treffen nun auf die verkehrten Umweltbedingungen in der heutigen Zeit. In Folge dieser Konstellation ist fast die Hälfte der erwachsenen deutschen Bevölkerung übergewichtig und fast jeder Sechste adipös.
Therapie bei Übergewicht: multifaktoriell und interdisziplinär
Multifaktoriell bedingte Gesundheitsprobleme können nur durch multifaktorielle und interdisziplinäre Therapiekonzepte erfolgreich behandelt werden: energie- und fettreduzierte Ernährung, Steigerung der körperlichen Bewegung und Vermittlung langfristiger Verhaltensmodifikationen. Wird mit einer solchen Basistherapie kein ausreichender Erfolg erzielt, definiert durch eine Gewichtsabnahme von mehr als 5 kg in 3 Monaten, kann der zusätzliche Einsatz eines Medikamentes erwogen werden. Das Therapieziel muss immer individuell, d.h. in Absprache mit dem Patienten, festgelegt und für ihn erreichbar sein. Eine Therapie in kleinen Schritten ist prinzipiell empfehlenswerter als einschneidende Maßnahmen. Je stärker der Patient in die Therapieplanung einbezogen wird, desto bereitwilliger wird er diese akzeptieren und desto günstiger sind die Erfolgsaussichten.
Da das Übergewicht ein chronisches Problem darstellt, muss jede Therapie langfristig angelegt sein. Persönlichkeitsstruktur und Motivation des Patienten sind allerdings von entscheidender Bedeutung. Am günstigsten sind die Ergebnisse, wenn eine Diättherapie mit verhaltentherapeutischen Elementen kombiniert wird. Eine bessere Langzeiteffizienz ist erst dann zu erreichen, wenn Patienten nach erfolgreicher Gewichtsreduktion regelmäßig Selbsthilfegruppen aufsuchen oder den Kontakt zum Therapeuten langfristig aufrechterhalten.
Autor: OA Dr. med. Kersten Pirlich












